• DVMF-Newsletter

+49 (0)6151 - 99 77 43

Goodbye einer Ausnahmeathletin: Schöneborn beendet sportliche Karriere

Wie kaum eine zweite Athletin hat Lena Schöneborn den Modernen Fünfkampf geprägt. Nun verabschiedet sich die 31-Jährige vom Leistungssport. 

Olympiasiegerin, siebenfache Welt- und sechsfache Europameisterin, über viele Jahre Weltranglistenerste: Lena Schöneborn hat im Modernen Fünfkampf alles erreicht, was eine Athletin erreichen kann. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der absoluten Weltspitze ist nun Schluss mit dem Wettkampfsport.

„Der Moderne Fünfkampf hat mich über eine lange Zeit geprägt. Ich bin unendlich dankbar für die tollen Erfahrungen, Begegnungen und Erfolge, die mir der Sport gegeben hat. Dennoch habe ich nach längerer Bedenkzeit entschieden, dass nun der Zeitpunkt für den nächsten Lebensabschnitt gekommen ist. Jetzt freue ich mich auf neue Herausforderungen außerhalb des Leistungssports“, begründete die 31-Jährige ihre Entscheidung.

Rasanter Aufstieg in die Weltklasse

Lena Schöneborns einmalige Karriere begann mit einem Zufall: Weil das Schwimmbad in ihrer Heimatstadt Niederkassel renoviert wurde, absolvierte die ambitionierte Nachwuchsschwimmerin ein Probetraining bei den Modernen Fünfkämpfern der SSF Bonn. Dort erkannte Landestrainer Kersten Palmer das große Talent Schöneborns – und die damals 14-Jährige entdeckte den Vielseitigkeitssport für sich. Dann ging alles schnell: Weltcup-Debüt 2004, ein Jahr später bereits der Einzel-Titel bei der Junioren-WM und sogar Staffel-Gold bei der „großen“ WM.

Der Olympiasieg 2008 in Peking machte Schöneborn schlagartig zum Star. Die erste deutsche Medaille im Modernen Fünfkampf seit 72 Jahren (Gotthardt Handrick gewann 1936 in Berlin ebenfalls Gold) bedeutete zugleich einen ungemeinen Popularitätsschub für die Sportart. Von ihren insgesamt sieben WM-Siegen war der Titel 2015 in Berlin vielleicht der Schönste. Mit Einzel-Gold in ihrer Wahlheimat erfüllte sie sich einen Traum – und vervollständigte nebenbei ihre beeindruckende Medaillensammlung.

„Lena Schöneborn ist über viele Jahre das Gesicht unserer Sportart gewesen und wir haben ihr sehr viel zu verdanken. Mit ihr verbinden wir unzählige Sternstunden und großartige Erfolge. Lena war und ist ein Vorbild weit über den Modernen Fünfkampf hinaus“, würdigte DVMF-Präsident Michael Scharf die Karriere der Ausnahmesportlerin.

Nach Rio-Enttäuschung noch einmal Weltcup-Siegerin und Weltmeisterin

Schöneborn musste auch schmerzhafte Rückschläge wegstecken wie bei der EM 2009 in Leipzig (Platz 34 nach Sturz im Reiten) sowie bei den Olympischen Spielen 2012 in London (Platz 15) und 2016 in Rio de Janeiro (Platz 32 nach vier Verweigerungen im Reiten). Dass sie auch aus diesen Niederlagen stets neue Kraft und Motivation zu ziehen wusste, bewies sie erst im vergangenen Jahr. Im ersten Wettkampf nach Olympia holte sie sich in Los Angeles ihren neunten Weltcup-Sieg. Trotz Verletzungsproblemen gewann sie bei der WM in Kairo noch einmal Gold in der Staffel mit Annika Schleu und verpasste als Vierte nur knapp eine weitere Einzel-Medaille.

Über zwölf Jahre bildete Schöneborn ein erfolgreiches Gespann mit Trainerin Kim Raisner. „Ich bin froh und stolz darauf, Lena seit 2006 sportlich begleitet zu haben. Sie ist eine herausragende Athletin, die im Training und Wettkampf immer unglaublich fokussiert gewesen ist. Eine Perfektionistin im positivsten Sinne“, so die Chef-Bundestrainerin des DVMF.

Mit ihrem sympathischen Auftreten ist Schöneborn Botschafterin einer Sportart gewesen, die sonst eher selten im Rampenlicht steht. 2015 wurde sie Dritte bei der Wahl zu Deutschlands Sportlerin des Jahres; weitere drei Mal platzierte sie sich unter den besten 10. Ein besonderes Highlight war die Nominierung bei der Abstimmung zur Fahnenträgerin der Deutschen Olympiamannschaft 2016 in Rio de Janeiro, bei der sie nur knapp dem Tischtennis-Ass Timo Boll unterlag.

Schöneborn will sich nun stärker auf ihre berufliche Karriere konzentrieren. Seit 2014 ist die studierte Betriebswirtin bei einer Marketing-Agentur in Berlin angestellt. Im vergangenen Jahr heiratete sie Alexander Nobis, der als zweifacher Staffel-Weltmeister ebenfalls seit langem in der Fünfkampf-Weltspitze mitmischt.

Der DVMF wünscht Lena Schöneborn für die Zukunft alles erdenklich Gute und wird seine Athletin in einem würdigen Rahmen verabschieden.