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Geschichte Moderner Fünfkampf

Moderner Fünfkampf bei den Olympischen Spielen 1912

Seit den V. Olympischen Spielen 1912 in Stockholm ist der Moderne Fünfkampf Teil des offiziellen Wettkampfprogramms. Bereits bei den 1906 ausgetragenen zweiten Internationalen Olympischen Spielen von Athen wurde ein sogenannter „Antiker Fünfkampf“ mit Weitsprung aus dem Stand, griechischem Diskuswurf im klassischen Stil, Speerwerfen, Stadionlauf und Ringkampf wieder eingeführt. Nachdem dieser „antike Fünfkampf“ bei den Olympischen Spielen 1908 in London nicht mehr ausgetragen worden war, wurde er in modifizierter Form mit den Disziplinen Weitsprung mit Anlauf, Speerwerfen, 200m Lauf, Diskuswurf und 1500m Lauf erneut in das Programm der Olympischen Spiele 1912 in Stockholm aufgenommen. Sieger dieses Fünfkampfes wurde der US-Amerikaner J. Thorpe, der auch den Zehnkampf gewann, aber nachträglich 1913 wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen disqualifiziert worden war.

Die Idee des Modernen Fünfkampfes ist auf Pierre de Coubertin zurückzuführen, dem es schließlich 1909 auf der 11. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Berlin gelang, diesen Vielseitigkeitswettbewerb als Erweiterung für das olympische Programm auf die Agenda zu setzen. Die endgültige Entscheidung über die Einführung des Modernen Fünfkampfes, über dessen Einzeldisziplinen und deren Wettkampfbestimmungen zog sich allerdings bis zur 13. IOC-Session in Budapest hin. In seinen Olympischen Erinnerungen schreibt Coubertin rückblickend über die Schwierigkeiten, die er hatte, um die IOC-Mitglieder davon zu überzeugen, den Modernen Fünfkampf als olympische Disziplin aufzunehmen:

„Ich hatte ihn [den Modernen Fünfkampf] dem C.I.O. schon zweimal vorgeschlagen, aber eine unverständliche, fast feindselige Ablehnung erfahren. Darum bestand ich nicht weiter darauf. Aber diesmal erleuchtete die Gnade des sportlichen Geistes meine Kollegen und sie stimmten einem Wettbewerb zu, dem ich einen großen Wert beimaß. Der moderne Fünfkampf, eine wahre Weihe für den vollkommenen Athleten, sollte folgende Wettbewerbe in sich einschließen: Wettlauf, Pferderennen, Schwimmen, Degenfechten und schließlich eine Schießprüfung […].“

Zweifelsohne wäre es lohnenswert, einmal detailliert Coubertins Gründe dafür zu analysieren, warum er dem Fünfkampf „einen so großen Wert beimaß“ und wie seine Leitgedanken zur Schaffung dieses Vielseitigkeitswettbewerbes bereits in seinem Konzept der Nützlichkeitsgymnastik („gymnastique utlitaire“, „utilitarian gymnastics“) vorgedacht waren. Ziel dieses Beitrags soll es jedoch sein, sowohl die organisatorischen Schritte, die im Vorfeld der Olympischen Spiele in Stockholm 1912 zur Einführung des Fünfkampfes diskutiert worden sind, zu beleuchten, als auch die Durchführung des ersten Fünfkampfes bei den neuzeitlichen Olympischen Spielen selbst. Hierzu werden unter anderem die Protokolle des schwedischen Organisationskomitees 1912, die Protokolle der Unterkommission Moderner Fünfkampf und die Korrespondenz des Komitees für Modernen Fünfkampf ausgewertet, die im Schwedischen Nationalarchiv in Stockholm eingesehen werden konnten.

zur Festlegung der Wettkampfregeln